Die Übernahme von VMware durch Broadcom hat die Virtualisierungslandschaft gehörig durcheinandergewirbelt. Was folgte, war ein regelrechtes Erdbeben: Preisexplosionen von teilweise über 1.000 Prozent, gestrichene KMU-Lizenzen und ein kompletter Strategiewechsel hin zu Abo-Modellen. Für viele Unternehmen stellt sich plötzlich nicht mehr die Frage, ob sie ihre Virtualisierungsplattform überdenken sollten – sondern wann und wie.
Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen, die nicht nur günstiger sind, sondern auch technisch überzeugen. An vorderster Front steht Proxmox Virtual Environment: eine ausgereifte Open-Source-Lösung, die sich in den letzten Jahren zur ernsthaften VMware-Alternative entwickelt hat. Mit über 1,5 Millionen Hosts weltweit und einer aktiven Community zeigt Proxmox, dass Virtualisierung auch ohne Herstellerabhängigkeit funktioniert.
Unser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie den Sprung aus dem Vendor-Lock-In schaffen – und warum dieser Schritt für viele Unternehmen eine finanzielle wie strategische Befreiung bedeutet.
Was bedeutet „Vendor-Lock-In“?
Vendor-Lock-In – zu Deutsch etwa „Herstellerabhängigkeit“ – beschreibt eine Situation, in der der Wechsel zu einem anderen Anbieter mit erheblichem Aufwand und technischen Hürden verbunden ist. Bei Virtualisierungsplattformen manifestiert sich das durch proprietäre Dateiformate, spezifische Management-Tools und über Jahre aufgebaute Expertise, die sich nicht ohne Weiteres auf andere Systeme übertragen lässt.
Diese Abhängigkeit wird erst dann zum Problem, wenn sich die Spielregeln ändern. Genau das erleben aktuell viele Unternehmen: Verträge werden gekündigt, Preise steigen, Support-Zusagen werden eingeschränkt.
Wenn der sichere Hafen zum goldenen Käfig wird
Im November 2023 schloss das US-amerikanische Softwareunternehmen Broadcom die Übernahme von VMware für 69 Milliarden US-Dollar ab. Seitdem herrscht in der Branche ein Lizenz-Chaos. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:
- Drastische Preiserhöhungen: Einzelne Kunden berichten von Kostensteigerungen über 1.000 Prozent. Selbst konservative Schätzungen gehen von durchschnittlich 300 bis 500 Prozent höheren Lizenzkosten aus.
- Abschied von Perpetual-Lizenzen: Seit Februar 2024 gibt es nur noch Abo-Modelle. Bestehende Perpetual-Lizenzen können zwar weitergenutzt werden, der Support lässt sich nach Ablauf des aktuellen Vertrags aber nicht mehr verlängern.
- Produktportfolio radikal gekürzt: Aus rund 8.000 einzelnen Bestellpositionen wurden zwei Hauptpakete – VMware Cloud Foundation (VCF) und vSphere Foundation (VVF). Das beliebte vSphere Essentials Plus Kit für kleine und mittelständische Unternehmen wurde eingestellt.
- Minimum 16 Cores pro CPU: Die neue Lizenzierung pro Core bedeutet: Selbst für eine 8-Core-CPU müssen Sie mindestens 16 Cores lizenzieren. Zusätzlich gilt seit April 2025 ein Mindestbestellvolumen von 72 Cores pro Lizenz-Order. Das macht kleine Setups besonders teuer.
- Vertriebschaos: Anfang 2024 mussten alle VMware-Partner ihre bestehenden Verträge beenden. Dell, Lenovo und HPE stoppten zeitweise den Verkauf von VMware-Lizenzen. Inzwischen gibt es zwar neue Vereinbarungen, doch viele kleinere Partner wurden aus dem Programm gedrängt.
Die Konsequenz? Unternehmen stehen vor einer Entscheidung: Zähneknirschend die höheren Kosten schlucken oder nach Alternativen suchen. Gerade für kleine und mittelständische Firmen, die bisher mit dem günstigen Essentials-Kit gearbeitet haben, führt kein Weg an einem Plattformwechsel vorbei.
Proxmox: Die souveräne Alternative aus Wien
Abseits der VMware-Turbulenzen entwickelt die Proxmox Server Solutions GmbH aus Wien seit über einem Jahrzehnt eine stabile, ausgereifte Virtualisierungsplattform. Proxmox Virtual Environment (kurz: Proxmox VE) vereint KVM-Virtualisierung und LXC-Container-Technologie in einer einzigen, webbasierten Management-Oberfläche.
Die Stärken von Proxmox im Überblick
- 100 Prozent Open Source: Proxmox VE steht unter der GNU AGPLv3-Lizenz. Das bedeutet: Sie können die Software kostenlos nutzen, den Quellcode einsehen und sind nicht von einem einzelnen Hersteller abhängig. Das ist ein wichtiger Baustein für digitale Souveränität.
- Zwei Virtualisierungswelten unter einem Dach: Mit KVM (Kernel-based Virtual Machine) erstellen Sie vollwertige virtuelle Computer – inklusive eigenem Betriebssystem. Das ist ideal für klassische Anwendungen, die eine komplette Systemumgebung benötigen. Mit LXC-Containern (Linux Containers) starten Sie dagegen schlanke Linux-Umgebungen in Sekundenschnelle – perfekt für moderne, ressourcenschonende Anwendungen.
- Unternehmens-Features inklusive: Proxmox bringt von Haus aus Funktionen mit, die bei VMware nur in den teuersten Editionen enthalten sind – zum Beispiel die unterbrechungsfreie Verschiebung laufender Server (Live-Migration), automatische Ausfallsicherung (High Availability) oder die zentrale Verwaltung mehrerer Server als Verbund (Clustering).
- Intuitives Web-Interface: Greifen Sie von jedem Browser aus auf Ihre Infrastruktur zu und verwalten Sie virtuelle Maschinen, Speicher und Netzwerk über eine einzige Oberfläche. Keine separate Management-Konsole nötig.
- Professioneller Support optional: Die Software ist kostenfrei nutzbar. Für Produktivumgebungen empfehlen wir einen Support-Vertrag (ab 90 Euro/Jahr pro CPU-Sockel): Sie erhalten Zugang zu besonders stabilen Updates und direkten Support vom Hersteller.
- Bewährte Basis: Proxmox VE basiert auf Debian GNU/Linux – einem der stabilsten und sichersten Betriebssysteme überhaupt. Sie profitieren von jahrzehntelanger Linux-Entwicklung und einem riesigen Ökosystem.
Die aktuelle Version Proxmox VE 9.1 (Stand November 2025) erweitert unter anderem die Container-Unterstützung und verbessert die Netzwerk-Virtualisierung – Proxmox VE wird kontinuierlich weiterentwickelt.
Warum migrieren? Die Vorteile für Ihr Unternehmen
Eine Migration ist immer mit Aufwand verbunden. Warum also jetzt handeln? Hier sind die wichtigsten Argumente:
Planbare Kosten statt böser Überraschungen
Mit Proxmox wissen Sie genau, was auf Sie zukommt. Keine plötzlichen Preiserhöhungen, keine Mindestabnahmen, keine Zwangs-Abonnements. Die Open-Source-Lizenz schützt Sie vor unvorhersehbaren Kostenexplosionen. Selbst wenn Sie den optionalen Support-Vertrag buchen, zahlen Sie deutlich weniger als für VMware.
Keine Herstellerabhängigkeit mehr
Was passiert, wenn Ihr Virtualisierungsanbieter übernommen wird? Sie haben es womöglich gerade erlebt. Mit Open Source sind Sie unabhängig. Selbst wenn der Hersteller seine Strategie ändert, bleibt der Programmcode öffentlich verfügbar – die Weiterentwicklung ist garantiert, weil die Software der Gemeinschaft gehört, nicht einem Konzern.
Technologische Flexibilität
Proxmox vereint klassische Virtualisierung (KVM) mit moderner Container-Technologie (LXC). Sie können beide Ansätze parallel nutzen – ideal für Unternehmen, die bestehende Windows-Server neben modernen, containerisierten Anwendungen betreiben möchten.
Datensouveränität und Compliance
Als europäisches Produkt erfüllt Proxmox die DSGVO ohne zusätzliche Anpassungen. Im Gegensatz zu US-amerikanischen Cloud-Diensten unterliegt die Software nicht dem CLOUD Act. Wenn Sie Proxmox bei einem deutschen Anbieter wie NMMN hosten, bleiben Ihre Daten garantiert in Deutschland.
Zukunftssicherheit durch aktive Entwicklung
Proxmox wird kontinuierlich weiterentwickelt – mit neuen Funktionen wie erweiterter Container-Unterstützung, verbesserter Grafikkarten-Virtualisierung für KI-Anwendungen und flexibleren Netzwerk-Optionen.
Migration in der Praxis: Drei Wege von VMware zu Proxmox
Proxmox bietet mehrere Migrationspfade. Je nach Ihrer Ausgangssituation, Downtime-Toleranz und Ihrem technischen Know-how wählen Sie den passenden Weg.
Methode 1: Der automatische Import Wizard (empfohlen)
Seit Version 8.2 bietet Proxmox einen integrierten Import-Assistenten, der VMware-Server direkt importiert. Das ist der einfachste und schnellste Weg.
So funktioniert’s:
- In Proxmox VE unter Datacenter > Storage einen neuen ESXi-Storage hinzufügen (IP-Adresse, Benutzername und Passwort des ESXi-Hosts eingeben)
- Die zu importierenden VMs auswählen
- Zielspeicher und Netzwerkeinstellungen festlegen
- Import starten – Proxmox erledigt den Rest
Vorteile: Schnell, unkompliziert, keine zusätzlichen Tools nötig. Ideal für Standard-VMs ohne komplexe Abhängigkeiten.
Bitte beachten: Virtuelle Maschinen mit gespeicherten Zwischenständen (Snapshots) müssen vorher zusammengeführt werden. Windows-Server funktionieren nach dem Import in der Regel sofort; für optimale Leistung empfiehlt sich später die Installation spezieller Proxmox-Treiber (VirtIO).
Methode 2: Manuelle Migration über gemeinsamen Netzwerkspeicher
Bei diesem Ansatz nutzen Sie einen Speicher (z. B. NAS oder SAN), auf den sowohl VMware als auch Proxmox zugreifen können.
So funktioniert’s:
- Die virtuelle Maschine in VMware auf den gemeinsamen Speicher verschieben
- VM in VMware herunterfahren
- Denselben Speicher in Proxmox einbinden
- Neue VM in Proxmox erstellen und die vorhandene Festplattendatei einbinden
- VM in Proxmox starten und testen
- Nach erfolgreichem Test: Festplattendatei (VMDK) ins Proxmox-Format (raw/qcow2) umwandeln und auf finalen Speicher verschieben
Vorteile: Minimale Ausfallzeit. Sie können die VM auf der alten Plattform als Rückfalloption behalten, während Sie auf der neuen testen.
Ideal für: Geschäftskritische Systeme, bei denen jede Minute zählt.
Methode 3: Export und Import über Paketdatei
Der klassische Weg über den Export als OVA-/OVF-Datei funktioniert zuverlässig, erfordert aber mehr Handarbeit.
So funktioniert’s:
- VM in VMware als Paketdatei exportieren
- Dateien auf Proxmox-Storage übertragen
- Mit dem Befehl qm importovf die VM importieren
- Hardware anpassen, Proxmox-Treiber nachinstallieren
- VM starten und testen
Vorteile: Funktioniert auch ohne Netzwerkverbindung zwischen alter und neuer Umgebung.
Nachteil: Längere Ausfallzeit, da das komplette Datenpaket erst exportiert und dann importiert werden muss.
Kubernetes und Container: Die Zukunft ist hybrid
Während klassische Virtualisierung weiterhin das Rückgrat vieler IT-Infrastrukturen bildet, gewinnt ein paralleler Trend an Bedeutung: die Containerisierung. Container – allen voran orchestriert durch Kubernetes – haben sich vom Entwickler-Werkzeug zum Enterprise-Standard entwickelt. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass 80 Prozent der Unternehmen Kubernetes bereits produktiv einsetzen. Weitere 13 Prozent testen oder evaluieren die Technologie.
Kubernetes und Proxmox: Eine natürliche Kombination
Proxmox eignet sich hervorragend als Basis für Kubernetes-Cluster. Die Kombination aus virtuellen Maschinen für den Kubernetes-Unterbau und LXC-Containern für leichtgewichtige Workloads ermöglicht flexible Architekturen.
| Aspekt | Virtuelle Maschinen (KVM) | Container (LXC/Kubernetes) |
| Isolation | Vollständig – wie ein separater PC | Prozess-Ebene – effizienter, aber weniger isoliert |
| Ressourcenverbrauch | Höher (eigenes Betriebssystem pro VM) | Niedriger (kein separates Betriebssystem) |
| Startzeit | Sekunden bis Minuten | Millisekunden bis Sekunden |
| Anwendungsfall | Windows-Server, Datenbanken, Legacy-Software | Moderne Web-Anwendungen, Microservices |
Die Kombination beider Welten – klassische VMs für etablierte Anwendungen und Container für moderne Cloud-native Workloads – bezeichnet man als hybride Virtualisierungsstrategie. So modernisieren Sie Ihre IT schrittweise, ohne bewährte Systeme voreilig abschalten zu müssen.
Warum Kubernetes auf Proxmox? Die Zahlen sprechen für sich
- Laut CNCF-Umfrage setzen 80 Prozent der Unternehmen Kubernetes bereits produktiv ein
- Das Forschungsunternehmen Gartner sagt voraus, dass bis 2027 über 90 Prozent der globalen Unternehmen containerisierte Anwendungen produktiv nutzen werden
- KI- und ML-Workloads treiben die Container-Nachfrage zusätzlich an
Die Kombination aus klassischen VMs, LXC-Containern und Kubernetes macht Proxmox zur idealen Plattform für hybride Infrastrukturen. Sie müssen sich nicht für eine Technologie entscheiden – Sie nutzen einfach die jeweils beste für Ihren Use Case.
Warum Unternehmen auf regionale Partner setzen
Die Entscheidung für eine Virtualisierungsplattform ist immer auch eine Entscheidung für einen Partner. Große Hyperscaler mögen mit schier unbegrenzter Skalierung locken, doch für viele Unternehmen – gerade im DACH-Raum – spielen andere Faktoren eine wichtigere Rolle: Datensouveränität, persönlicher Support und die Gewissheit, dass sensible Unternehmensdaten nicht dem Zugriff ausländischer Behörden unterliegen.
NMMN betreibt mehrere zertifizierte TIER-3-Rechenzentren in Hamburg, Berlin, Frankfurt und Düsseldorf, die über redundante Glasfaserverbindungen vernetzt sind. Als deutsches Unternehmen unterliegen wir nicht dem US CLOUD Act und erbringen sämtliche Leistungen DSGVO-konform. Unsere Kunden wissen, wo ihre Daten liegen und wer Zugriff darauf hat. Die Rechenzentren werden zudem mit 100 Prozent Ökostrom aus europäischen Wasserkraftanlagen betrieben.
Unser Angebot für Ihre Proxmox-Umgebung
NMMN setzt seit über zehn Jahren auf Proxmox – für eigene Dienste ebenso wie für Kundenumgebungen. Als zertifizierter Proxmox-Partner unterstützen wir Sie bei:
- Neuaufbau: Planung und Implementierung Ihrer neuen Proxmox-VE-Umgebung – von der Hardware bis zur Produktivschaltung
- Migration: Fachkundige Begleitung beim Umzug von VMware ESXi/vSphere zu Proxmox VE
- Managed Services: Monitoring, Wartung und 24/7-Rufbereitschaft für Ihre Infrastruktur
- Proxmox-Subscriptions: Zugang zum Enterprise Repository und direkter Herstellersupport
Erfahren Sie mehr über unsere Proxmox-Lösungen oder konfigurieren Sie Ihre eigene Umgebung in unserer Managed Shared Cloud oder einer Hosted Private Cloud.
Fazit: Freiheit durch Open Source
Die VMware-Übernahme durch Broadcom hat vieles verändert – aber sie hat auch Chancen eröffnet. Unternehmen, die jetzt auf Open-Source-Virtualisierung setzen, machen sich unabhängig von Herstellerstrategien, Preiserhöhungen und Lizenz-Chaos.
Proxmox bietet alles, was moderne IT-Infrastrukturen brauchen: High Availability, Live-Migration, Enterprise-Storage, Container-Unterstützung und eine aktive Weiterentwicklung. Die Kombination aus klassischer Virtualisierung (KVM) und Container-Technologie (LXC, OCI) macht Proxmox zur idealen Plattform für hybride Szenarien – von Legacy-Anwendungen bis zu Cloud-native Microservices.
Mit NMMN haben Sie einen erfahrenen Partner an Ihrer Seite, der Proxmox seit über einem Jahrzehnt produktiv einsetzt. Von der Bedarfsanalyse über die Migration bis zum Managed Service – wir begleiten Sie auf jedem Schritt Ihres Weges aus dem Vendor-Lock-In.
Lars Sommerfeldt
Geschäftsführer, NMMN
